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14.03.2014 03:25 Uhr in Wohnen, Bauen, Garten
Unternehmensmeldung

Aufbau eines Baumkatasters

Aufbau eines Baumkatasters Logo Baumvisite

Arbeiten der Baumvisite

Ein Bericht über den Aufbau eines digitalen Baumkatasters in der Stadt Sinsheim

Organisation der Baumpflege in der Stadt Sinsheim

H. Schwarze / Die Baumvisite


Zusammenfassung
Baumpflege und Baumkontrolle benötigen Organisation und nachvollziehbare Arbeitsabläufe. Digitale Informationssysteme können beim Aufbau eines Baumkatasters hilfreiches Werkzeug sein. Im folgenden Artikel wird die Methode und Technik bei der Erfassung und Bewertung eines Baumbestandes am Beispiel der Stadt Sinsheim vorgestellt.

Summary
Tree care and tree control need organization and traceable workflow. Digital information systems can be a helpful tool in building a tree cadastre. In the following article the method and technique in the detection and evaluation of existing trees is presented on the city of Sinsheim.

Zitat: „Was Bäumchen nicht lernt, lernt Baum nimmermehr.“ (Granda Alonso, MA.E. 1996)

Der Baumbestand in der Stadt Sinheim
Im aufstrebenden Landstädtchen Sinsheim findet man die schönen alten Bäume in den Quartieren der Gründerzeit und auf den Friedhöfen in den dreizehn Ortsteilen. Auch im Alter von 80 – 120 Jahren bereiten die hochstämmigen Linden selten Sorgen. Die Vitalität ist gut und mit vereinzelter Kronenpflege sind die Pflegemaßnahmen überschaubar. Das Ergebnis von Generationen der Baumpflege kann sich hier sehen lassen. Die Bäume sind Ergebnis einer frühzeitigen und kontinuierlichen Pflege der Gärtner bzw. von „Baumwarten“ die ihren Arbeitsgegenstand gut kannten und die Wirkung ihrer Arbeit über viele Jahre genau beobachteten.

Baumpflege ist unauffällig und fällt meist nur da auf, wo sie über Jahre fehlt. Dies gilt auch für ca. 1/3 des Sinsheimer Baumbestandes, der augenscheinlich aus mehr oder weniger spontanem Aufwuchs der letzten 40 Jahre besteht. Für viele der älteren Bäume kommt eine wirtschaftliche Pflege oft zu spät. Neben den Folgen von Umbruch und Rationalisierung in der Grünpflege (vgl. Lechenmayr, H. 1993) ist in Sinsheim die Ausdehnung der modernen Stadt eine Hauptursache für die „Altlasten“ im Baumbestand.
Wohn- und Gewerbegebiete mit Ausgleichs- und Erholungsflächen rücken an oder in die Stadtforste oder an Brachen mit spontanen Gehölzen. Wo aber ein entsprechender „Publikumsverkehr“ eröffnet wird, müssen nach geltender Rechtsprechung (vgl. § 823 und § 839 BGB) auch die bislang „wilden Bäume“ verkehrssicher gehalten werden. Eine Hauptaufgabe der Baumpflege ist daher die Verkehrssicherung im Baumbestand. Dazu sind Protokolle zur Prüfung in einer handlichen und rechtsicheren Form erforderlich. Eine praktikable Lösung dieser Aufgabe erschien in der Konzeption eines EDV gestützten digitalen Baumkatasters.

Zitat: „Einen guten Garten zu bauen ist im Grunde eine höchst einfache und nüchterne Sache: man muss ihn organisieren.“ (Migge, L.1913)

Grüne Infrastruktur in Sinsheim
Die Arbeit im Stadtgrün wird von den Umständen und der Organisation am Ort bestimmt. Dazu gehört in Sinsheim die Arbeit in vielen kleinen Teilorten auf großer Fläche. Auf halber Strecke zwischen Heidelberg und Heilbronn im badischen Kraichgau liegt Sinsheim mit 36000 Einwohnern. 1/3 der Bevölkerung wohnt in der Kernstadt, 2/3 wohnt in den 12 kleineren Teilorten auf einer Gemarkungsfläche von 127km². Durch die zentrale Lage der städtischen Betriebe und der weitläufiger Verteilung der Arbeitsorte entstehen bei der Unterhaltung lange Wegstrecken. Die Ansprüche und Anforderungen an die Unterhaltung der kommunalen Freiräume sind in den Teilorte unterschiedlich. Insgesamt wurden im Jahr 2009 rund 90 Spielplätze, 14 Friedhöfen, 21 Sportrasenfelder und eine bis dahin nicht ermittelte Anzahl an sonstigen Grünflächen von den Stadtgärtnern der Stadt Sinsheim betreut. Die Sicherung und Pflege der kommunalen Grünflächen war bis 2002 eigenverantwortliche Aufgabe der Gärtnergruppe in der Stadtverwaltung.

Neue Organisation der Baumpflege
Der kommunale Baumbestand wurde von der Gärtnergruppe nahezu eigenständig betreut. Ab 2003 wurde in der Stadtverwaltung die Abteilung Stadt- und Grünflächenplanung, Umwelt (nachfolgend: Grünflächenabteilung) eingerichtet. Zwischen der Grünflächenabteilung und der Gärtnergruppe bestand seitdem ein internes Auftraggeber- / Auftragnehmerverhältnis.
Praktisch erhielt die Gärtnergruppe nun von der Grünflächenabteilung den Dienstauftrag zur Baumkontrolle. Die Baumpfleger der Gärtnergruppe lieferten die Zustandsberichte und schlugen Maßnahmen zur Baumpflege vor. Diese wurden von der Grünflächenabteilung geprüft und wieder an die Gärtnergruppe oder an externe Unternehmen z.B. Baumgutachten an Baumsachverständige vergeben. Die Kosten der Baumpflege durch die Gärtnergruppe im Eigenbetrieb wurde der Stadtverwaltung in Rechnung gestellt. Die Grünflächenabteilung prüfte die Rechnungen und kalkulierte die jährlichen Aufwendungen für die Baumpflege.

Durch diese Trennung der Verwaltung in „auftraggebende“ Ämter und „auftragnehmende“ Dienststellen des Eigenbetriebes wurden auch in Sinsheim neue Instrumente für Vergabe, Entscheidungen und Prüfung der Maßnahmen in der Baumpflege notwendig.

Aufstellung eines Baumkatasters
Eine Hauptaufgabe in der neuen Organisation der Baumpflege war, die relevanten Daten des Baumbestandes in eine handliche und planbare Form zu bekommen. Die Pflege des Baumbestandes sollte von den Kosten der Maßnahmen und vom Ertrag im Baumbestand her prüfbar sein. Die Verkehrssicherung durch regelmäßige Baumkontrolle und Baumpflege musste nachvollziehbar dokumentiert werden. Im Herbst 2005 hatte sich die Stadtverwaltung unter Federführung der Grünflächenabteilung für die Aufstellung eines Baumkatasters und die Anschaffung einer passende Baumkatastersoftware entschieden. Das Baumkataster wurde mit einer Schnittstelle zum vorhandenen Geographischen Informationssystem (GIS) der Stadt eingerichtet und wurde in der Grünflächenabteilung verwaltet. Das GIS diente vor allem zur graphischen Darstellung der Baumstandorte. Über das GIS konnten andere Fachämter Informationen über den Baumbestand abrufen.

Die Inventur des Baumbestandes

Die mobile Erfassung und Kontrolle der Bäume im Gelände passierte in Sinsheim mit zwei Pocket-PC´s. Die Erfassung wurde mit einer mobilen Version des Katasterprogramms vorgenommen.
Als Grundlage für die Ersterfassung wurde zunächst eine photogrammetrische Auswertung einer Luftbildbefliegung vorgenommen. Nach Ergebnis dieser Luftbildkartierung waren rund 10000 Einzelbäume und 700 Baumgruppen aufzunehmen

Der Digitalisierung nach Luftbild folgte eine Standortkontrolle durch die Baumpfleger der Gärtnergruppe. Die Baumpfleger der Stadt konnten sich mit dem System und der Orientierung auf den digitalen Karten vertraut machen. Die Bäume wurden nachfolgend am Boden ohne Markierung (Baumplakette) anhand der Position in der Grundkarte angesprochen. Grenzbereiche für diese Art der Ansprache über digitale Kartenblätter waren große Grundstücke oder Forstflächen ohne markante Katastermarken. Hier waren zur Orientierung zusätzlich Vermessungsdaten oder Baumplaketten erforderlich.

Bei der Ersterfassung wurden Hauptdaten wie Stammdurchmesser und Baumhöhe erfasst. Daneben wurden auch Schadsymptome (vgl. Mattheck 2007) erhoben, die den Zustand des Baumes bzw. des Baumbestandes in der Stadt darstellen. Der Pflegemaßnahmen wurden nach eigenem Maßnahmenkatalog in Anlehnung an bestehende Regelwerke (vgl. ZTV Baumpflege FLL 2006) festgelegt. Die Priorität der Maßnahme und Kontrollintervalle wurden nach der „Richtlinie zu Überprüfung der Verkehrssicherheit von Bäumen“ (vgl. Baumkontrollrichtlinie FLL 2010) festgelegt. Bei den Regelkontrollen wurden die Verkehrssicherheit und die erforderlichen Maßnahmen protokolliert.

Nach der Sichtung der ersten Daten in Sinsheim wurde die anfängliche Diagnose zum Baumbestand weitgehend bestätigt. Die Inventur in Sinsheim zeigte auch, dass die Baumpflege eine langfristige Aufgabe in den nächsten Jahrzehnten sein wird. Durch die Einführung eines Baumkatasters wurde die Baumpflege und Baumkontrolle in Sinsheim plan- und prüfbar.

Bilanz aus Sinsheim

Zitat: „Auch unter den schlechtesten Rahmenbedingungen sind die schönsten Gärten denkbar, vertraut man sie nur einem Gärtner an, der persönliche Anteilnahme hat und haben darf.“( Barz, H.P. 2006)

Dieser Bericht dokumentiert die Erfahrungen bei der Aufstellung von Baumkatastern in der Stadt Sinsheim. Herr Schwarze von der Fa. Baumvisite war als fester Mitarbeiter der Stadtverwaltung Sinsheim mit der gesamten Organisation zur Aufstellung des Baumkatasters betraut. Diese Erfahrung wurde durch nachfolgende Arbeiten mit Baumkatastern in Göttingen und aus der Arbeit als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger fortlaufend erweitert.

Northeim im März 2014









Quellen

Granda Alonso, MA.E. 1996: „Was Bäumchen nicht lernt, lernt Baum nimmermehr.“ Notizbuch der Kasseler Schule 38 „Stadtbaumschule“

Lechenmayr, H. 1994: „Die Scherweide“ Notizbuch der Kasseler Schule 34 „Pflege-Fälle

Migge, L. 1920: „Die Gartenkultur des 20. Jahrhunderts“. Jena Reprint

Mattheck, C. 2007: „Feldanleitung für Baumkontrollen“. Forschungszentrum Karlsruhe

Anonymus 2010: „Richtlinie zur Überprüfung der Verkehrssicherheit von Bäumen“ (FLL) Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V.

Anonymus 2006: „ZTV Baumpflege“ (FLL) Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V.


Baumvisite Northeim,

vereidigter Sachverständiger für Baumkontrolle, Baumpflege und Wertermittlung von Bäumen

Wir helfen bei allen Fragen zur Baumpflege. Wir ermitteln den Wert ihrer Gehölze und stellen Baumgutachten zur Verkehrssicherheit.


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