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02.11.2012 09:09 Uhr in Kultur und Gesellschaft
Unternehmensmeldung

Bayerns Kampf gegen „Mein Kampf“

Bayerns Kampf gegen „Mein Kampf“ Abbildung

Hitlers „Mein Kampf“ wird ab 2016 frei zur Veröffentlichung. Das Institut für Zeitgeschichte arbeitet bereits an einer wissenschaftlichen Edition.

Der Freistaat Bayern verliert 2015 die Urheberrechte an dem Buch Opens external link in new window“Mein Kampf”. Danach können Verleger die Schrift publizieren. Bis dato verhindert Bayern jeden Publikationsversuch mit einer einstweiligen Verfügung. Um die Bevölkerung vor Propaganda und Volksverhetzung zu schützen? Wäre das der Fall, würden die deutschen Gesetze ab 2016 dafür sorgen, dass das Buch weiterhin in der Bundesrepublik nicht abgedruckt wird. Doch Juristen sehen diesen Fall nicht gegeben. Rechtsexperte Nikolaos Gazeas glaubt im Opens external link in new windowInterview mit dem Cicero nicht an Verurteilungen ab 2016. Um diesen Fall eintreten zu lassen, müsse das Werk mit Kommentaren versehen werden, die einen aktuellen Bezug zur Verfassung herstellen. Damit würde die Schrift die demokratischen Grundwerte in Frage stellen – das wäre strafbar. In unkommentierter Form ist es lediglich ein historisches Dokument, das die kranken Gedanken eines wahnsinnigen Diktators wider gibt.

Bereits jetzt frei käuflich

Die Bevölkerung hat ein Recht darauf, zu erfahren, was dort geschrieben steht. Da es sich um einen 70 Jahre alten Text handelt, werden Opens external link in new windowjüngere Leser wohl dazu neigen, das Buch nach wenigen Sätzen weg zu legen. Von denen, die das Buch lesen möchten und den Inhalt als Grundlage ihrer Überzeugung sehen, werden die meisten nicht bis 2016 warten, um das Buch in den Händen zu halten. Denn im Ausland ist das Buch frei käuflich. Und wer nicht extra in die Ferne reisen möchte, wird sich online Abhilfe verschaffen. „Mein Kampf“ ist also bereits im Umlauf und wird sich auch in deutschen Bücherregalen oder als E-Book längst wieder finden.

In der Bedeutungslosigkeit verschwinden

Eine kluge Maßnahme wäre es, wenn Bayern präventiv selbst „Mein Kampf“ veröffentlichen würde. Mit von Historikern verfassten Kommentaren, welche den Lesern helfen, das Gelesene richtig einzuordnen. Das müsste jedoch dringend vor 2015 geschehen, denn danach würde die Wirkung einer solchen Ausgabe verfliegen. Bis dahin wäre die kommentierte Ausgabe das einzige frei erwerbbare Exemplar in Deutschland. Nach 2015 würde es wohl in einer Flut von Ausgaben untergehen und in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

Im Juli 2009 kündigte das Münchner Instituts für Zeitgeschichte (IfZ) an, auch ohne Genehmigung mit „den vorbereitenden Arbeiten“ für eine wissenschaftliche Edition zu beginnen. Der nötige Aufwand wurde auf etwa fünf Jahre Arbeit für einen Experten geschätzt. Das IfZ ist bestrebt, eine seriöse Ausgabe zu produzieren, bevor „ohnehin jeder ‚Mein Kampf‘ nachdrucken“ und „mit entsprechender Sensationsmache verkaufen“ könne. So versuche man, „einer künftigen, bloß kommerziellen Nutzung das Wasser abzugraben“.

Zum Artikel:
http://www.pt-magazin.de/newsartikel/archive/2012/november/02/article/bayerns-kampf-gegen-mein-kampf.html