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27.01.2018 17:17 Uhr in Kultur und Gesellschaft
Unternehmensmeldung

„Das falsche Leben- Ursachen und Folgen unserer normopathischen Gesellschaft“

„Das falsche Leben- Ursachen und Folgen unserer normopathischen Gesellschaft“ Abbildung

Hans Joachim Maaz

Eine Rezension von Antje Hampe

Das neue Buch von Dr. Hans Joachim Maaz beschäftigt sich einerseits mit der Frage was richtiges beziehungsweise authentisches Leben sein kann, also: „Wie werde ich derjenige, der ich bin und nicht der, der ich sein soll“. Andererseits mit den Ursachen für ein ins unerträgliche abgleitende, von sich selbst entfremdetem Leben und den daraus resultierenden Konsequenzen auf individueller, nationaler und globaler Ebene.
Die Gründe, die das Zustandekommen der „Fälschung“ erklären, sind bereits mit Hilfe der Säuglings-, Hirnforschung und Entwicklungspsychologie untersucht und belegt worden. Was dieses Buch jedoch einzigartig macht, ist die jahrzehntelange Erfahrung im psychiatrischen, psychosomatischen und psychotherapeutischen Arbeitsalltag des Autors über verschiedene politische Systeme hinweg und dessen ständig kritische Reflexion von individueller (Mangel) Geschichte und gesellschaftlichen, als auch historischen Entwicklungen. Die Frage, ob eine Gesellschaft überhaupt gesunde Entscheidungen treffen kann, deren Mitglieder in der Mehrzahl eine frühkindliche Strukturstörung aufweisen, deren Kompensation fast die gesamte Lebensenergie benötigt, kann nur mit „Nein“ beantwortet werden.
Konzentriert erläutert und beschreibt Hans Joachim Maaz den individuellen Mangel eines jedem von uns, seine Entstehungsgeschichte und dessen Folgen für die eigene Existenz. Gekennzeichnet von einem ständigen Kampf um Anerkennung, Ressourcen und die Droge im Sündenbock des andersartigen die eigene Geschichte, den eigenen Mangel und den ihm immanenten Schmerz abzuwehren.
Präzise wird unser defizitäres Sozialverhalten seiner Maske beraubt und zunächst für sich stehen gelassen. Jedes Extrem wird beleuchtet und die zugrundeliegende Pathologie als das entlarvt, worum es uns Menschen eigentlich geht: Das sich Verstanden fühlen, das Wahrgenommen werden und das so werden dürfen, wie es die eigenen Fähigkeiten erlauben und begrenzen.
Maaz seziert unser Bedürfnis nach Empathie, Beziehung und Liebe und die weitreichenden Folgen auf individueller, gesellschaftlicher und globaler Ebene, wenn die Erfüllung ausbleibt und der Schmerz darüber nicht erlebt und integriert werden kann.
Schonungslos ehrlich und deshalb schon empathisch, werden die den Schmerz abwehrende Gier und die Drogen, Konsum und Leistung, als auch das gehemmte Selbst, das sich in seiner Verweigerungshaltung zum Leben auszeichnet, nachvollziehbar illustriert.
Mutig ist dieses Buch schon deshalb, weil der Autor sich nicht scheut, Wahrheiten auszusprechen, die uns „Schmerzen“ bereiten werden und auch weil deren Abwehr sich voraussichtlich zuerst gegen den Überbringer der Nachricht richten könnte.
Gleichzeitig signalisiert dieses Buch auch, dass es jemanden gibt, der diesen Schmerz sieht, versteht, annimmt, aushält ohne eigene Interessen in den Vordergrund zu stellen und ihn für das Kollektiv benennt. Insofern verstehe ich dieses konzentrierte Werk auch als Ausdruck von Empathie und Mitmenschlichkeit.
Jeder Einzelne, die Gesellschaft, die Welt; wir alle sind an einem Punkt der Zerstörungsfähigkeit angelangt, an dem uns die Zeit fehlt, die normopathischen Entwicklungen weiter zu dulden, das Elend, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, die Selbstentfremdung weiter in Watte gepackt zu beobachten und uns in unseren psychosomatischen Erkrankungen zu verlieren.
Es gilt zur Kenntnis zu nehmen, dass alles, was aus dem frühkindlichen Mangel und seiner Abwehr entsteht, nur Kompensation bedeuten kann, aber nie Lebendigkeit. Die Normopathie lässt aus uns eine Karikatur werden, die im Außen immer einen Feind und Sündenbock sucht, den es zu bekämpfen gilt.
Hans Joachim Maaz weist eindringlich darauf hin, die eigenen unerwünschten Anteile im Hinblick auf Schwäche und Begrenzung ins Bewusstsein zu holen, zu integrieren und nicht auf andere zu projizieren.
Er spricht sich für Kommunikation und Beziehungskultur aus und unterschlägt dabei nicht, dass der Weg aus dem Mangelerleben und der narzisstischen Strukturstörung nur über den Schmerz seiner Erkenntnis gelingen kann und wir alle die Demut erlernen müssen, individuelle Begrenzung zu erkennen und zu akzeptieren.
Seine Ausführungen machen klar, dass wir unser „falsches Leben“ überdenken müssen, wenn wir nicht sehenden Auges in eine monumentale Katastrophe schlittern wollen, die ein noch größeres Ausmaß annimmt, als die, in der wir uns ohnehin schon befinden.
Das lebenslange Ringen um innerseelische Stabilität kann nicht länger geleugnet werden und Glück bedeutet möglicherweise nur einen kurzen Abschnitt der Spannungsreduktion im Spannungsfeld zwischen biografischen Erfahrungen und konstruktiven Beziehungen, Arbeitsumfeld und Sexualität.
Die daraus resultierenden Konsequenzen werden unserem normopathischem Selbstverständnis von einem Leben in paradiesähnlichen Zuständen oder dem erleben unendlicher Ungerechtigkeit den Nährboden entziehen.
Das Neue Buch von Hans Joachim Maaz führt möglicherweise zur psychosomatischen Erstverschlimmerung beim Rezipienten, zeigt aber kontinuierlich einen schmalen Weg durch das Labyrinth des Schmerzes, der einmal betreten und zeitlebens reflektiert die Richtung in ein würdevolleres Leben weisen kann. Insofern ist „das falsche Leben“ in seiner Analyse überzeugend und therapeutisch wirksam.

Ein Trailor mit einem Interview von Dr. Hans-Joachim Maaz finden Sie auf youtube:
in neuem Fenster öffnenhttps://www.youtube.com/edit?o=U&video_id=SP4xKH2S_mM

Das komplette Interview erscheint in der Märzausgabe der in neuem Fenster öffnenwww.eXperimenta.de




Das falsche Leben
Hans-Joachim Maaz
C H Beck Verlag
256 Seiten
16,95 €
ISBN: 978-3-406-70555-7


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