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07.03.2014 11:57 Uhr in Bildung und Weiterbildung
Unternehmensmeldung

Die Davis-Methode ist wissenschaftlich nicht belegt!

In unserem Fachartikel wollen wir auf die Davis-Methode® eingehen, die von vielen anderen Fachleute zurecht als nicht wissenschaftlich belegt oder gar als Pseudo-Methode mit esoterischen Hintergrund begründet wird. Weil, wir Eltern und Betroffene vor solchen Methoden schützen und warnen wollen, werden wir fachlich und sachlogisch auf diese Methode von Ron Davis eingehen. Wir wollen fundierte Gründe liefern, warum die Davis-Methode umstritten ist.

Diese Methode wurde von dem Amerikaner Ron Davis als Behandlungsprogramm, zur ursprünglichen Behandlung einer Legasthenie entwickelt. Dieser soll nach eigenen Angaben einst selber Legastheniker und gar Analphabet gewesen sein. In Selbstversuchen hätte er eine Lösung mittels Orientierungstraining im Jahre 1980 als Mechanismus für seine Probleme entdeckt. 1982 hatte er in den USA seine erste Davis-Orientierungsberatung entwickelt. Nach diesen Ansatz folgte dann sein populäres Buch „Legasthenie als Talentsignal“, wo 1995 die erste deutsche Fassung veröffentlicht wurde.

Dann folgte die Gründung der Davis Dyslexia Association International (DDAI, 1996), welche seitdem dieser Ansatz durch die Ausbildung von Davis-Beratern vorantrieb. Dieser Ansatz hat sich bis heute in vielen Ländern verbreitet, wo nach dieser Methode behandelt wird. Seit dieser Zeit wurde eine Vielzahl von Methoden und Trainingsprogramme z. B. für Dyskalkulie, ADS/ADHS und neuerdings auch für Autismus entwickelt.

Außerdem sagt man Ron Davis nach, er hätte mehrjährigen Kontakt zur Scientology-Kirche gehabt. Hierfür gibt es aber eher nur Vermutungen, da auch diese teilweise mit ähnlichen Visualisierungstechniken, arbeiten sollen, wie sie in der Davis-Methode angewendet werden. Inwiefern es wirkliche Zusammenhänge zu dieser Vereinigung gab, ist nach unseren Recherchen nicht gesichert.

Nach unserer Sicht stellt die Davis-Methode weder noch eine wissenschaftlich gesicherte Diagnostik noch eine belegte Fördermaßnahme dar. Sicherlich mag es für Hilfesuchende vielversprechend klingen: „Jeder Legastheniker ist ein Genie!“, oder „das man eine Legasthenie mit einem Orientierungstraining sogar in 30 Stunden heilen kann!?“ Hier suggeriert man hilfesuchenden Familien unrealistische und unseriöse Ziele und macht Versprechungen, die jeder Sachlogik und wissenschaftlichen Erkenntnis widersprechen. Sicherlich ist jeder Legastheniker normal intelligent, hin und wieder gibt es darunter ‚häufiger‘ auch sehr begabte Betroffene. Das jeder aber ein Genie soll sein, stimmt so nicht! Die Mehrheit ist völlig normal begabt, wie der Durchschnitt der Bevölkerung. Andere Behauptungen sind falsch und unseriös!

Dass Legastheniker nur nonverbale (bildhafte) Denker zu sein scheinen, ist aus der heutigen wissenschaftlichen Kenntnis nicht belegt. Es ist aber aus der Forschung bekannt, das Kinder mit einer Legasthenie mit der auditiven und visuellen Wahrnehmung, Motorik etc. Probleme haben können. Daher ist die Annahme, dass Legastheniker eine völlig andere Wahrnehmung und Denkweise haben, nicht belegbar. Was nach unserer Sicht stimmt, sie haben aufgrund ihrer differenten Teilleistungen einen anderen Denk- und Lernstil. Dieser funktioniert nicht so, wie Davis behauptet, der es nur, mit einer einseitigen bildhafteren Denkweise diese Zusammenhänge herleitet. Das ist mehr als umstritten! Außerdem besitzen Legastheniker keine außergewöhnlichere plastische Vorstellungskraft, als Nicht-Legastheniker!? Die Probleme von Legasthenikern muss man viel differenzierter betrachten, weil Davis Vorstellungen mit der Existenz eines geistigen Auges, was mit seinem Training, die visuelle Vorstellungskraft und Dreidimensionalität eines Legasthenikers zum Talent oder Geniesein verhelfen soll, hat eher esoterischen Ursprung.

Jetzt werden wir im Detail genauer auf das Konzept von Davis eingehen.

Dass Legastheniker ein geistiges Auge haben, worauf das Davis-Konzept passiert, widerspricht jeglicher wissenschaftlicher Studien. Das dieses eine Legasthenie verursachen würde, ist sehr umstritten. Der Mensch besitzt kein geistiges Auge, sondern der Lese- und Schreibprozess muss viel komplexer im Sprachzentrum verarbeitet werden. Differente Teilleistungen (auditive und visuelle Wahrnehmung etc.) machen bei Legastheniker Probleme im Schriftspracherwerb (darum spricht man in der Forschung auch von einer Teilleistungsstörung!). Außerdem haben Legastheniker keine übersinnlichen Fähigkeiten, wie man sie mit dem nonverbalen Denken bescheinigen will. Daher ist dieses Konzept im Bereich der Esoterik einzuordnen, da es jeglicher Sachlogik und Forschung widerspricht.
Der Zustand der Desorientierung ist ebenso nicht bewiesen und empirisch belegt, beruht daher auf subjektiven Empfinden von Ron Davis. Es gibt nur Hinweise, das einige Legastheniker in der Raumlage oder Raumorientierung Probleme haben können, trotzdem haben nicht alle Betroffene in diesen Teilbereichen Auffälligkeiten.
Was sehr fragwürdig ist, das Legasthenie oder LRS selbst nicht diagnostizierbar sein soll und nur mit der Testung der Desorientierung ermittelt werden kann! Nein, eine Legasthenie kann man im Grundschulalter, ab der 2. Klasse, 1. Halbjahr wissenschaftlich gesichert Festellen. Hierfür gibt aussagenfähige Testverfahren, die nur von ausgebildeten Fachleuten durchgeführt werden dürfen. Entweder sind es spezialisierte Wissenschaftler aus Pädagogik und Psychologie, aber keine Davis-Berater etc.
Die Erfolgserwartungen, die bei Betroffenen geweckt werden sind unrealistisch. Da man von einer völligen Beseitigung und einer 100- prozentigen Erfolgsquote ausgeht! Und was noch fragwürdiger ist, das eine mögliche Niveausteigerung von 8. Klassenstufen suggeriert wird, es fehlen dazu jegliche wissenschaftliche Belege! Außerdem gibt es bisher keine Studien das man eine Legasthenie heilen kann, sondern man kann sie mit einer zielgerichteten Förderung schrittweise Kompensieren, im Grundschulalter wird von einem Zeitraum von 18 - 24 Monaten ausgegangen, wo das Kind eine spezialisierte und wissenschaftlich fundierte Einzelförderung und Anleitungen für zu Hause erhält, um weiter an seinen Problemen zu arbeiten. Bei größeren psychosozialen Problemen ist auch eine Hilfe von einem Psychologen ratsam!
Die Trainingsmethoden nach dem Symbolbeherrschungstraining und dem Orientierungstraining, sind auf der ganzen Linie nicht bewiesen. Sicherlich kann in der Förderung eine bessere visuelle Darstellung der Buchstaben ein kreativer Ansatz sein, die dem Kind Spaß bereiten, um sich vielleicht Wörter oder Laute einzuprägen. Der Einsatz dieser Methode ist nicht bewiesen! Die Forschung geht von einer umfassenden Stimulierung aus, die alle Wahrnehmungsbereiche fördert, indem das Kind seine individuellen Probleme hat. Außerdem ist eine Förderung in der lautgetreuen Rechtschreibung oder auch nach phonologischen Konzepten, sowie auch der systematischen Leseförderung sehr wichtig, weil es hier gute und auch in Studien belegte Methoden gibt.
Die Zeit der Förderung von 5. Trainingsstunden (insgesamt 30. Stunden) am Tag ist didaktisch nicht sinnvoll, sondern eine angemessene Förderung von ca. 45 bis 60 Minuten pro Woche ist zu empfehlen. Da man Kinder in einen so kurzfristigen Zeitraum nicht unterstützen kann. Hier braucht es Geduld und Zeit, um das ein Kind schrittweise die Probleme mithilfe der Eltern in den Griff bekommt.
Außerdem ist es sehr bedenklich, wenn mit der Davis-Methode, weitere Lernschwächen oder Krankheiten, wie ADS, ADHS, Autismus behandelt wird!


Fazit:

Die Davis-Methode widerspricht jeglicher wissenschaftlicher Erkenntnis aus der Legasthenieforschung und wird auch vom Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V. nicht empfohlen. Generell ist von Methoden Abstand zunehmen die Schnelle, wie auch einzigartige Heilungen versprechen! Daher ist auch die sehr extreme Stilisierung von uns Legasthenikern zur Geniehaftigkeit mit großer Vorsicht zu genießen!!! Aus der Praxis und Forschung, ist uns kein Betroffner bekannt, der ohne eine fundierte Diagnose und Einzelförderung über einem längeren Zeitraum seine Probleme in den Griff bekommen hat! Das ist wirklich mehr als fragwürdig! Außerdem widerspricht es jeglicher Erkenntnis der Lernforschung, die keinerlei Lernstrategien und Verinnerlichung des Lernstoffes auf pädagogisch-didaktischer Methodik in dieser Davis-Methode vermittelt. Auch in Dresden und Sachsen wird diese Methode angewendet, wir können die Eltern nur warnen, dass uns diese Methode als sehr unseriös erscheint! Daher sollten Sie immer darauf achten, welchen Hintergrund diverse Testungen und Förder- oder Therapie- und Nachhilfekonzepte haben. Ein kritischer Blick und genaueres Nachfragen kann Ihnen dabei helfen, die bestmögliche Hilfe fürs Kind zu erhalten.





Kontakt
Ansprechpartner: Lars-Michael Lehmann
Anschrift: Legasthenie Coaching
Annenstr. 22
01067 Dresden
Telefon: 0351-26357904
Internet: http://www.legasthenie-coaching.de
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