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29.05.2012 16:04 Uhr in Politik
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Erster Fall von Selbstverbrennung in Lhasa: Zwei junge Tibeter setzen sich in Brand

Erster Fall von Selbstverbrennung in Lhasa: Zwei junge Tibeter setzen sich in Brand Dorje Tseten vor dem Jokhang Tempel (Archivbild)

IGFM München

Zwei junge Tibeter zündeten sich am Sonntag in Lhasa aus Protest gegen die chinesische Herrschaft an. Es ist dies der erste Fall einer Selbstverbrennung in Lhasa, von dem man erfährt.

Sie verbrannten sich vor dem Jokhang Tempel im Zentrum Lhasas – dem ultimativen Ziel für tibetische Pilger. Sie wurden sehr schnell von den Sicherheitskräften, die innerhalb kürzester Zeit in mehreren Fahrzeugen angerast kamen, ergriffen und entfernt.

Ihre Identität und andere persönliche Angaben (RFA spricht von Mönchen), sowie ihr jetziger Zustand sind unbekannt. Vermutlich gehörten sie zu einer Gruppe junger Tibeter, die vor dem Tempel gegen das chinesische Regime protestieren wollten (1).

„Die Sicherheitskräfte waren sofort zur Stelle, sie löschten das Feuer und verjagten alle Touristen von dem Platz. Innerhalb von 15 Minuten war das ganze Areal wieder sauber und nicht die geringste Spur des Vorfalls mehr zu sehen“, erfuhr RFA von einem Augenzeugen.

„Die Flammen waren gewaltig und Augenzeugen nehmen an, daß die zwei in dem Feuer umkamen“ sagte eine tibetische Quelle im Exil, die Kontakte zu der Region hat. „Die Stadt Lhasa ist jetzt voller Polizei und paramilitärischer Kräfte und die Lage ist sehr angespannt“.

Einer anderen Quelle zufolge ist die Lage in dem Touristen-Viertel um den Jokhang Tempel und den Potala Palast besonders angespannt.

„Alle, die den Platz vor dem Potala Palast überqueren müssen, werden durchsucht und daher sind alle sehr nervös“. Einer unbestätigten Meldung zufolge strömten Tibeter nach dem Vorfall zusammen und taten ihre Meinung kund. Es soll viele Festnahmen gegeben haben.

Das ist der zweite Selbstverbrennungsfall in der Autonomen Region Tibet, heißt es aus Quellen im Exil. Von den fünfunddreißig Tibetern, die sich seit März 2009 verbrannten, entfallen 34 auf die tibetischen Gebiete außerhalb der TAR.

Diese Selbstverbrennungen ereigneten sich genau in dem Moment, wo sich viele Tibeter nach Lhasa begeben, um den wichtigen buddhistischen Monat Saka Dawa, in dem der Geburt, der Erleuchtung und des Todes von Buddha gedacht wird, zu feiern.

Die chinesische Regierung verfügte, daß staatliche Angestellte und Pensionäre, sowie Studenten den ganzen Monat lang an keinerlei religiösen Aktivitäten teilnehmen dürfen.

„Heute ist der sechste Tag des heiligen tibetischen-buddhistischen Monats Saka Dawa und mehrere Hundert Tibeter sind in die Stadt gekommen, um den Jokhang Tempel und den Potala zu umrunden und zu beten“, fügte der Augenzeuge des Vorfalls hinzu.

Die Protestaktionen durch Selbstverbrennungen, die während des letzten Jahres zunahmen, haben auch Demonstrationen in den tibetisch besiedelten Gebieten der chinesischen Provinzen ausgelöst, wobei die chinesische Politik als diskriminierend und die Tibeter ihrer Rechte beraubend bezeichnet wurde. Es wurden mehr Freiheit für die tibetische Bevölkerung und die Rückkehr des Dalai Lama gefordert.

Der Dalai Lama hat die „totalitäre“ und „unrealistische“ Politik Pekings dafür verantwortlich gemacht, daß es zu dieser Welle von Selbstverbrennungen kam. Er hält die Zeit für gekommen, daß die chinesischen Behörden einen ernsthaften Schritt in Richtung der Lösung des tibetischen Problems unternehmen. Er forderte die chinesische Führung auf, bei der Lösung der tibetischen Krise eine ganzheitliche anstelle einer nur auf sich selbst konzentrierten Sichtweise einzunehmen.

Die chinesischen Behörden haben allerdings diejenigen, die sich selbst verbrennen, als Terroristen, Außenseiter der Gesellschaft, Verbrecher und Geisteskranke hingestellt und den Dalai Lama bezichtigt, er ermutige zu den Selbstverbrennungen.

Die Proteste durch Selbstverbrennungen haben zu einer erheblichen Verschärfung der chinesischen Sicherheitspolitik in den von Tibetern bewohnten Provinzen Sichuan, Qinghai und Gansu, wie auch in der Autonomen Region Tibet geführt.

Abgesehen davon, daß Hunderte von Mönchen in Haft gehalten werden, haben die chinesischen Behörden, wie aus Quellen im Exil verlautet, eine große Anzahl von tibetischen Schriftstellern, Künstlern, Sängern und Lehrern, die sich für die tibetische nationale Identität und die Menschenrechte einsetzten, festgenommen.

(1) Ergänzung von Phayul und TCHRD vom 28. Mai:

Der 19jährige Dorjee Tseten setzte sich zusammen mit seinem Freund, dem 25jährigen Dargye, am Barkor vor dem historischen Jokhang-Tempel in Brand. Es wird befürchtet, daß Dorjee Tseten gestorben ist.

Sonam Gyatso, ein Mönch des Drepung Gomang Klosters in Südindien, sagte, die beiden Tibeter hätten ein Zimmer in der Nähe des Jokhang Tempels gemietet. „Um 14.15 h Ortszeit traten sie aus ihrem Zimmer heraus und zündeten sich an… In Flammen lodernd rannte einer von ihnen zu dem Fahnenmasten vor dem Jokhang Tempel, wo er zu Boden stürzte, während der andere etwa zehn Schritte ging, bis er ebenfalls umfiel“.

Dorjee Tseten stammt aus Bora, Bezirk Labrang, Provinz Gansu, während Dargye aus Ngaba kommt. Dorjee Tseten ist der Sohn von Bendey Khar und Dolkar Kyi und hat zwei ältere Brüder „Dorjee Tseten durchlief die Grundschule in Bora und ging dann nach Lhasa, wo er als Chefkoch in einem Restaurant arbeitete. Der andere junge Mann, der sich selbst verbrannte, arbeitete in demselben Restaurant als Kassierer. „Der Besitzer und andere Angestellte des Restaurants sind festgenommen worden“.

Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua, die über den Vorfall berichtete, nannte die beiden als Dargye aus Ngaba und Tobgye Tseten aus Labrang (Xiahe), und fügte hinzu, letzterer sei verstorben.

Der Jokhang Tempel wurde inzwischen komplett gesperrt. Sicherheitskräfte haben den Zugang zu der Gegend um den Jokhang Tempel abgeriegelt, während die Bewegungsfreiheit tibetischer Pilger und ausländischer Touristen drastisch eingeschränkt wurde.

Quelle: Radio Free Asia, in neuem Fenster öffnenwww.rfa.org, in neuem Fenster öffnenwww.phayul.com

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