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16.12.2017 11:56 Uhr in Kunst
Unternehmensmeldung

Literaturpreis für Rüdiger Heins

Literaturpreis für Rüdiger Heins Rüdiger Heins

"Rudolf Descher Feder" für literarische- und künstlerische Arbeit

"Nimmt man Rüdigers verschiedene Publikationen zur Hand, so sticht einem ein Buch sofort ins Auge. Es ist ein Buch mit dem alles andere als alltäglichen Titel "Vision der Liebe ..."
Prof. Dr. Mario Andreotti, St. Gallen

In Japan gibt es seit 1951 eine sehr schöne Tradition: Da wird jedes Jahr eine Person ausgezeichnet, die sich in besonderem und ganz erheblichen Masse um die Entwicklung und den Fortschritt der Kultur Japans verdient gemacht hat. Die Ernennung zur Person mit besonderen kulturellen Verdiensten, wie es offiziell heisst, erfolgt durch den Minister für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie und gilt in Japan als bedeutende Ehrung. Die Auszeichnung wird auf Lebenszeit vergeben und ist mit einer Pensionszahlung in der Höhe von 3,5 Millionen Yen, also etwa 34'000 Euro, jährlich verbunden. Eine wunderbare Auszeichnung, von der ich weiss, dass ich da nicht im entferntesten eine Chance hätte, sie einmal zu erhalten, hören sich doch meine eigenen kulturellen Leistungen eher bescheiden an. Aber eine andere Person hier im Saal, die zwar nicht aus Japan stammt, sondern in Bingen am Rhein lebt, hätte diese Auszeichnung ohne Wenn und Aber sicher verdient. Es ist - wie könnte es anders sein - Rüdiger Heins, der erst vor gut einem Jahr zur Interessengemeinschaft deutscher Autoren gestossen ist und heute zu Recht bereits im Vor stand dieses Vereins sitzt. Ohne ihn, ohne seine Bereitschaft, unsere Jahreshauptversammlung in Bad Kreuznach mit zu organisieren, würden wir heute nicht hier in diesem wunderbaren Haus, sondern irgendwo in der Wildnis tagen.
Von Johann Gottfried Herder, dem wohl grössten Anreger der deutschen Geistesgeschichte, kursiert das Wort, er habe für die Entwicklung der deutschen Literatur so viele Verdienste, dass man tausend und eine Nacht brauchte, um sie alle aufzuzählen. Ich weiss nicht, ob wir bei Rüdiger Heins auch so lange brauchten; aber dass seine kulturellen Verdienste über jedes gewöhnliche Mass hinausreichen, das dürfte unbestritten sein. Dabei bilden diese Verdienste gar nicht das Zentrum seines Lebens; im Zentrum steht für Rüdiger etwas ganz anderes: Es ist seine tiefe Spiritualität, um nicht zu sagen Religiosität. Nimmt man Rüdigers verschiedene Publikationen zur Hand, so sticht einem ein Buch sofort ins Auge. Es ist ein Buch mit dem alles andere als alltäglichen Titel «Vision der Liebe», ein Theaterstück über Hildegard von Bingen, über die Frau, die als erste Vertreterin der deutschen Mystik des Mittelalters in die Geschichte eingegangen ist. Von dieser Heiligen, die im 12.Jahrhundert als Benediktinerin, als Dichterin und als Komponistin, ja sogar als bedeutende Universalgelehrte im Kloster Rupertsberg bei Bingen gelebt hat, ist Rüdiger Heins angetan. Ihr will er nahe sein, wie er einmal selber schreibt. Fast fortwährend beschäftigt er sich daher mit ihren Schriften und entdeckt dabei immer wieder neue Aspekte in ihren Visionen.
Verehrte Anwesende, doch warum sage ich Ihnen das alles, wo doch in einer Laudatio nicht von Spiritualität, sondern von einem verdienten Literaten die Rede sein soll? Ganz einfach deshalb, weil von dieser tiefen Spiritualität aus Rüdiger Heins’ ganzes Werk, all seine kulturellen Leistungen letztlich zu verstehen sind.
Da sind zunächst einmal seine verschiedenen Publikationen, angefangen beim bereits genannten Buch «Vision der Liebe», einem Theaterstück über die Visionen der heiligen Hildegard und fortgeführt mit vier weiteren Theaterstücken, die Menschen am Rande der Gesellschaft gelten, seien dies nun Frauen aus einer islamischen Kultur, Strassenkinder, Tyrannen einer längst vergangenen Epoche oder gar Mystikerinnen wie eine Hildegard von Bingen, und über die es in meinem Vorwort heisst, es gehe dem Autor dabei immer um die Vision einer menschlicheren Welt. Dazu gesellt sich ein Buch, das den Zisterzienser Mönchen der Abtei Himmerod gewidmet ist und in dem diese Mönche dem Leser in sehr persönlich gehaltenen Interviews einen Einblick in ihr monastisches Leben gewähren. Schliesslich ist da noch ein Buch im Gewand eines Kriminalromans, das den spannungsgeladenen Titel «In Schweigen gehüllt» trägt. In diesem Buch erzählt der Autor die Geschichte des jungen, erst achtzehnjährigen Anton Detrois, der seine alte Tante Honorine Steimer, eine ehemalige Klosterfrau aus einem Orden in Würzburg, ermordet, um an ihre Geldschatulle zu gelangen, und der schliesslich von der Polizei gefasst und am 4.September 1903 in Mainz öffentlich hingerichtet wird. Das Faszinierende an diesem Buch ist nicht so sehr die Detektivgeschichte selber als vielmehr der Umstand, dass Rüdiger Heins einen modernen Montageroman geschaffen hat, der dem Leser nicht nur einen Einblick in die komplexe, in sich widersprüchliche Psyche eines Menschen ermöglicht, der auf seine Weise Liebender und Mörder zugleich ist, sondern auch in eine bürgerliche Gesellschaft, die für Menschen an ihrem Rande keinen Platz hat. Liebe Hörerinnen und Hörer, ich kann Ihnen die Lektüre dieses Romans nur empfehlen.
Dazu gesellen sich noch eine ganze Reihe weiterer Werke, die Rüdiger Heins alle im Wiesenburg Verlag herausgebracht hat. Zu ihnen gehören Bände mit Kurzgeschichten und Gedichten, gehört der schon 1987 erschienene Roman «Verbannt auf den Asphalt», der in verschiedenen Szenen vom Schicksal von Menschen ohne ein Zuhause erzählt, gehört ein Theaterstück über Strassenkinder, über jene mindestens 2000 Kinder in Deutschland, die die Welt der Erwachsenen verlassen haben, die ausgestiegen sind aus einer Welt, die nicht die ihre ist. Es sind zur Hauptsache Bücher, die sich aus einer christlichen Perspektive mit den grossen sozialen Problemen unserer heutigen Welt beschäftigen. Ging es der heiligen Hildegard von Bingen um die Vision des Göttlichen, so geht es Rüdiger Heins um jene einer menschlicheren Welt. Das zeigt sich schon in seiner Freundschaft und Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller und Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff, der in seinen Büchern immer wieder soziale Missstände offengelegt und dazu beigetragen hat, dass sie behoben wurden. Ich erinnere Sie etwa an das 1985 erschienene, international erfolgreiche Buch mit dem sprechenden Titel «Ganz unten», in dem Wallraff Menschenrechtsverletzungen und Ausländerfeindlichkeit in der Bundesrepublik Deutschland in den frühen 1980er Jahren darstellt.
Damit wieder zurück zu Rüdiger Heins. Seine zahlreichen Publikationen betreffen nicht nur menschliche, vor allem soziale Fragen, sondern auch Fragen aus dem Literaturbereich. Rüdiger ist nicht bloss ein begabter belletristischer Autor, der Theaterstücke, Romane und Lyrik verfasst; er ist ebenso sehr ein guter Kenner des Literaturbetriebes und der Probleme rund um die ästhetische Wertung literarischer Texte. Das macht schon sein «Handbuch des Kreativen Schreibens» deutlich, das er 2005 veröffentlicht hat und in dem, wie es im Klappentext heisst, mit methodischen Übungen versucht wird, «die kreativen Ressourcen des Einzelnen zu entdecken, um sie im Schreibprozess mit Hilfe des geschriebenen Textes zum Ausdruck zu bringen». Und wenn ich schon dieses Handbuch erwähne, dann darf etwas anderes, mit ihm unmittelbar Zusammenhängendes nicht unerwähnt bleiben: Ich meine das INKAS Institut für literarisches und kreatives Schreiben, das Rüdiger Heins 1997 gegründet hat - eine Institution notabene, in der den Teilnehmern in Seminaren oder Studientagen auf spielerische Art der Umgang mit der Sprache und ihren Stilmitteln vermittelt wird, in der sie unter anderem lernen, Versagensängste und Schreibblockaden zu überwinden. Das Besondere an diesen von Rüdiger Heins selber geleiteten Seminare, die übrigens hier in Bad Kreuznach stattfinden, sind die eingebauten Ruhe- und Mediationsübungen. Daran wird deutlich, dass es Rüdiger Heins um mehr als nur um das blosse Schreiben, dass es ihm stets um den ganzen Menschen und sein Wohlbefinden geht.
In der Septemberausgabe 2017 des Online-Magazins eXperimenta, das es freilich auch als Printausgabe gibt, findet sich in einer kurzen bibliografischen Notiz zu Rüdiger Heins die Feststellung, er sei seit 2002 Mitherausgeber dieses Magazins. Verehrte Anwesende, das ist stark untertrieben und zeigt einmal mehr, wie zurückhaltend-bescheiden der heute Abend Geehrte auftritt. In Tat und Wahrheit ist er der Gründer und eigentliche Herausgeber dieser Zeitschrift für Literatur und Kunst. Ich selber werde auf dem Titelblatt, im Grunde zu Unrecht, als Mitherausgeber aufgeführt, ist doch meine Leistung für die eXperimenta, das «Online und Radio Magazin für Literatur und Kunst», wie sich die Zeitschrift genau nennt, mehr als bescheiden. Sie besteht in gelegentlichen literarischen Beiträgen und kleineren finanziellen Zuschüssen. Das ist alles.
Dreierlei, liebe Hörerinnen und Hörer, gefällt mir an der eXperimenta besonders. Da ist zum einen das äusserst professionell arbeitende Redaktionsteam unter der Leitung der Chefredakteurin Gabi Kremeskötter. Ich freue mich immer, wenn mir Franziska Schmetz, die unter anderem für die Bildredaktion zuständig ist, jeweils pünktlich am Ende eines Monats das Korrekturexemplar für den kommenden Monat sendet und ich spüren darf, dass es mit der eXperimenta tapfer weitergeht. Und da ist zum andern die Tatsache, dass das Redaktionsteam - es ginge zu weit, hier alle Namen zu nennen - ehrenamtlich arbeitet. Das ist gerade heute, wo kaum mehr etwas ohne finanzielle Abgeltung geleistet wird, alles andere als selbstverständlich. Und da ist schliesslich zum Dritten die Offenheit dieses Magazins für die verschiedensten literarischen Genres und Formen von Texten, sofern sie über ein Mindestmass an ästhetischer Qualität verfügen.
Ich kann Sie, geschätzte Anwesende, falls Sie die eXperimenta noch nicht kennen, nur dazu einladen, im Internet einmal einen Blick in dieses Online-Magazin zu werfen. Sie werden staunen, was Sie alles an kunstvollen Illustrationen und an Informationen erhalten, von Kurzgeschichten über Lyrik und Essays bis hin zur Ankündigung kultureller Veranstaltungen und Seminare.
Wie Ihnen allen sicher bekannt ist, gab es im Hochmittelalter und vor allem in der Epoche des Humanismus die Tradition der Dichterkrönung. Die Verleihung der Dichterkrone, die Bekränzung eines Dichters mit einem immergrünen Lorbeerkranz, meistens durch den Kaiser selber, bedeutete für den Dichter, den poeta laureatus, dauerhaften Ruhm. Leider verschwand diese Tradition mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806.
So muss denn unser Autor, Kulturwissenschaftler und Vereinskamerad Rüdiger heute notgedrungen auf die Dichterkrone verzichten. Aber selbstverständlich hat der Vorstand der IGdA für gleichwertigen Ersatz gesorgt: Rüdiger Heins erhält am heutigen Festakt eine besondere Auszeichnung: die Rudolf-Descher-Feder. Es handelt sich, wie Sie sicher alle wissen, um eine Auszeichnung, die Rudolf Descher 1985 für Mitglieder eingerichtet hat, die Verdienste um die Literatur und um die Interessengemeinschaft deutschsprachiger Autoren erworben haben. Und dass sich Rüdiger um die Literatur und um die IGdA verdient gemacht hat, das leugnen zu wollen, wäre etwa das Gleiche, wie wenn man leugnen wollte, dass der Regen abwärts fliesst. Rüdigers Verdienste um die Literatur habe ich in meiner Laudatio ein wenig zu würdigen versucht. Und was seine Verdienste um die IGdA betrifft, da erinnere ich Sie alle daran, dass wir heute nicht hier in dieser wunderbaren Stadtbibliothek von Bad Kreuznach sässen, wenn Rüdiger Heins nicht vieles mitorganisiert hätte. Kaum dass er Mitglied der IGdA und in deren Vorstand gewählt worden ist, hat er sich für unsere Interessengemeinschaft schon verdient gemacht.
Lieber Rüdiger, ich habe in meinem Leben schon manche Laudatio gehalten. Aber ich gestehe, dass mir kaum je eine so schwergefallen ist wie die auf Deine Person. Immer wieder war ich überwältigt von der Fülle dessen, was Du als Kulturwissenschaftler, als Zeitungs- und Hörfunkredakteur, als Gründer des INKAS Instituts für literarisches und kreatives Schreiben, als Seminarleiter, als Sachbuchautor und nicht zuletzt als belletristischer Schriftsteller alles geleistet hast. Ich schliesse denn auch meine Laudatio mit dem unbefriedigenden Gefühl, Dir und Deinem Werk nicht hinreichend gerecht geworden zu sein. Umso glücklicher schätze ich mich aber, Dir in meiner kurzen Lobrede verkünden zu dürfen, dass Du jetzt dann gleich aus der Hand von Frau Gaby Blattl die Rudolf-Descher-Feder entgegennehmen kannst. Und Sie liebe Festgemeinde, lade ich alle ein, sich mit dem Preisträger und mit mir darüber zu freuen. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Prof. Dr. Mario Andreotti, St. Gallen

Weitere Informationen zu Rüdiger Heins. in neuem Fenster öffnenwww.ruedigerheins.de

Kontakt
Ansprechpartner: Ulrike Herding (Seminarorganisation)
Anschrift: INKAS INstitut für KreAtives Schreiben
Dr. Sieglitz Str. 49
554 11 Bingen
Telefon: 06721 921060
Internet: http://www.inkas-institut.de
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