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01.10.2012 16:44 Uhr in Politik
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Nyidon floh ins Exil: „Ich muß der Welt die Geschichte von meinem Onkel erzählen“

Nyidon floh ins Exil: „Ich muß der Welt die Geschichte von meinem Onkel erzählen“ Polizeistation in Kardze

IGFM München

Ehemaliger politischer Gefangener nach Entlassung in schlechtem Zustand

Ein tibetischer politischer Gefangener, der letztes Jahr nach Verbüßung einer dreijährigen Haftstrafe entlassen wurde, leidet nun unter vielfältigen gesundheitlichen Problemen, wie seine Nichte Nyidon, die vergangenen Monats in Indien eintraf, dem TCHRD berichtete.

In der Gemeinde Kora im Bezirk Kardze (chin. Ganzi) geboren, floh Nyidon mit einem besonderen Anliegen ins Exil: Sie nahm sich vor, der Welt die Geschichte ihres Onkels zu erzählen, da China ja keine Informationen aus Tibet nach draußen gelangen läßt.

Der jetzt 41jährige Chime Gonpo wurde am 18. März 2008 nach einem friedlichen Protest gegen die chinesische Regierung im Bezirk Kardze, TAP Kardze, Provinz Sichuan, festgenommen. Am frühen Nachmittag des 18. März hatte Gonpo zusammen mit zehn weiteren Tibeter eine Protestaktion veranstaltet, er forderte die Rückkehr des Dalai Lama aus dem Exil, Freiheit in Tibet und die Freilassung aller politischen Gefangenen, einschließlich des 11. Panchen Lama Gedhun Choekyi Nyima. Innerhalb weniger Minuten traf die bewaffnete Polizei ein und drosch auf die Demonstranten ein, ehe sie sie abführte (1).

Nyidon startete im April 2012 von ihrem Bauerndorf aus und erreichte Nepal im Mai, im August traf sie dann in Indien an. So wie es allen Angehörigen ehemaliger politischer Gefangener in Tibet ergeht, geriet auch das Leben ihrer Familie nach der Verhaftung und der darauf folgenden Verhängung einer dreijährigen Haftstrafe über ihren Onkel völlig aus den Fugen.

Am 17. März 2011 wurde Chime Gonpo entlassen, bald merkten seine alte Mutter und andere Angehörigen jedoch, daß mit seiner Gesundheit etwas nicht stimmte. „Onkel Chime verlor rasch an Gewicht und sein Körper wurde von Tag zu Tag dunkler“, erinnerte sich Nyidon. Die Familie brachte ihn sofort nach Chengdu in drei verschiedene Krankenhäuser, doch die Ärzte konnten keine Diagnose stellen. Dann kam Chime Gonpo in ein Krankenhaus nach Peking, wo man Hepatitis und eine Nierenerkrankung bei ihm feststellte.

Die Familie hatte schon die ganze Zeit vermutet, daß der schlechte Gesundheitszustand von Gonpo, der vor dem Gefängnis ein „gesunder Mann voller Energie“ war, auf die Schläge und die die Folter, denen er in den drei Jahren hinter Gittern ausgesetzt war, zurückzuführen ist. Als sich seine Lage etwas gebessert hatte, brachten sie ihn wieder nach Hause zurück. Obwohl Gonpo noch im Zustand der Genesung war, suchte ihn die Lokalpolizei jede Woche auf, bedrängte ihn mit allerlei Fragen und paßte auf, daß er nicht ohne ihr Wissen sein Dorf verließ.

Die Tatsache, daß Chime Gonpo seine Strafe abgeleistet hat, zählt nicht viel, da er und seine Familie weiterhin unter der ständigen Überwachung durch das Sicherheitspersonal stehen. Alle ihre Bewegungen und Tätigkeiten werden genau beobachtet und kontrolliert. Die Familie mußte bei der örtlichen Polizeistation und anderen Regierungsämtern Erlaubnis einholen, ehe sie Gonpo zur Behandlung nach Chengdu und Peking bringen konnte.

„Es ist nichts Außergewöhnliches, daß die Angehörigen und Verwandten eines ehemaligen politischen Gefangenen in vielfältiger Weise von der Polizei und anderen Verwaltungsbeamten schikaniert werden“, fügte Nyidon hinzu.

Ehe sie im April von ihrer Heimatgemeinde nach Lhasa aufbrach, mußte Nyidon bei fünf verschiedenen Ämtern auf Gemeinde- und Bezirksebene, einschließlich der Polizeistation an ihrem Ort, des Public Security Bureau (PSB) usw., Genehmigungen einholen. Um keinen Verdacht zu erwecken, gab sie vor, eine Pilgerfahrt nach Lhasa unternehmen zu wollen.

Nach der gewaltsamen Festnahme Gonpos durch die bewaffnete Polizei am 18. März 2008 wußten seine Angehörigen ein ganzes Jahr und drei Monate lang nicht, wo er sich befand. Trotz ihrer beharrlichen Bemühungen, etwas über seinen Inhaftierungsort herauszufinden, blieb Gonpo „verschwunden“. „Ich sehe noch deutlich vor mir, wie meine Großmutter (Gonpos Mutter) seinen Namen rief, Gebete sprach und dann in Tränen zusammenbrach, weil sie meinte, er sei bereits gestorben“. Gonpos Inhaftierung im Gefängnis Mianyang (Provinz Sichuan) hatte zur Folge, daß sich auch die Gesundheit seiner Mutter rasch verschlechterte.

Viele andere, von denen Nyidon einige persönlich kannte, wurde zusammen mit ihrem Onkel verurteilt. Nyiga, 50, aus dem Bezirk Sershul wurde zu acht Jahren und Goga, 45, der aus demselben Dorf wie Nyidon kommt, zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Ein anderer Mann, ein Freund von Nyiga und Goga, an dessen Namen Nyidon sich nicht erinnern kann, bekam sieben Jahre.
„Alles was sie getan haben, um so schwer bestraft zu werden, war, daß sie friedlich protestierten“, sagte Nyidon. „Mein Onkel ist ein Mensch mit Gewissen, er würde niemals jemand anderem ein Leid antun“.

(1) 19. März 2008 „Wenigstens drei Tibeter wurden bei den Protesten in Kardze erschossen“, in neuem Fenster öffnenhttp://www.igfm-muenchen.de/tibet/TCHRD/2008/AmdoBora,Kardze,Luchu.html

Quelle: Tibetan Centre for Human Rights and Democracy, in neuem Fenster öffnenwww.tchrd.org

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