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13.01.2018 19:16 Uhr in VIPs & Künstler
Unternehmensmeldung

Vom Sehen überraschen lassen

Vom Sehen überraschen lassen Copyright: Antje Hampe

Räume zwischen harter Realität und archetypischen Erfahrungen

Antje Hampe über ihre Fotografie

Die Welt durch eine Kamera zu sehen, bedeutet für mich etwas aus der Distanz heraus sichtbar zu machen. Es ist eine Art der Entfremdung. Ein Zwischenschalten, um gleichzeitig den Blick auf das zu lenken, was unter der Oberfläche darauf
wartet erkannt zu werden. Auch sonst berührt mich weniger das, was klar und plakativ vor mir liegt. Es geht um das Schemenhafte, den Zwischenraum im Moment der Interaktion. Selbst wenn ich nur einen einzigen Menschen ablichte, bedeutet es Interaktion. Wenigstens zwischen ihm, der Kamera und mir. Ich gehe allerdings davon aus, dass weit mehr passiert. Es verhält sich beim Fotografieren ähnlich wie in einem Gespräch. Für mich ist der Inhalt dessen, was gesagt wird bei weitem nicht so aussagekräftig, wie die Tonlage der Stimme, die die Worte formt. Oft erfahre ich über einen Menschen wesentlich mehr, wenn ich seinem Klang lausche. Das artikulierte Narrativ ist eine Art unterhaltendes Beiwerk, dem ich nicht so viel Beachtung schenke. Der Mensch interessiert mich auf eine grundsätzliche Weise und da spielen
konkrete Inhalte eine untergeordnete Rolle. Ich glaube, unsere Lebensthemen unterscheiden sich nicht wesentlich. Meine Absicht ist es den jeweiligen Umgang mit diesen Themen und dessen Auswirkungen im biografischen, systemischen Sinne zu erforschen und künstlerisch zu zeigen. Damit möchte ich einen neuen Raum aufzumachen.

"Im Unterschied zu meiner Malerei, gibt mir die Fotografie die Möglichkeit, mich vom Sehenüberraschen zu lassen!"

Andererseits fehlt der Mensch auch auf einem Teil meiner Bilder und ich verstehe dies immer wieder als Hinweis darauf, dass es im Leben nicht nur um die Dinge geht, die da sind, sondern auch um das, was nicht gezeigt wird. Fotografie ist eine Möglichkeit mit dieser Ambivalenz zu spielen.
Abstrakt fotografiere ich möglicherweise auch, weil ich die Dinge in meiner Umgebung gar nicht scharf stellen kann. Es will mir nicht gelingen. Immer wieder betrete ich den Raum zwischen harter Realität und archetypischen Erfahrungen. Mich verfolgt diese semipermeable Membran dazwischen und insgeheim
befürchte ich, dass man das, was dort erfahrbar wird, nicht mit Worten beschreiben kann. Im Unterschied zu meiner Malerei, gibt mir die Fotografie die Möglichkeit, mich vom Sehen überraschen zu lassen. Der Moment des Erkennens fällt fast mit dem Auslösen der Kamera zusammen. Dennoch bleibt ein kleines
Fenster dazwischen. Entscheidend ist der Unterschied zwischen dem, was ich zunächst wahrnehme, dann abbilden möchte und dem, was sich scheinbar einstellt. Es zeigt mir wie komplex Wahrnehmung passiert, wo ihre Grenzen liegen und was geschieht, wenn man das sichtbar macht, was eigentlich hinter dem Vorhang der Konvention verborgen liegt. Individualität spielt plötzlich keine wichtige Rolle mehr. Wir sind uns alle ähnlich. Unsere Emotionalität ist nicht abhängig von der phänotypischen Erscheinung. Es erinnert daran, mich auf das Kollektive zu besinnen und der Trennung weniger Bedeutung beizumessen.
Mir geht es ähnlich wie Leonard Cohen in einem seiner letzten Songs: „ I guess I am just somebody who has given up on a me and you.“ Diese Ahnung treibt mich immer wieder an. Künstlerisch als auch therapeutisch.


Weitere Informationen zu Antje Hampe
in neuem Fenster öffnenwww.soul-therapy.de

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